Sonntag, 19. März 2017

Faradies Bielefeld – Stadt im Stress auf der Couch



Gewidmet den Personen, deren Energie, Mut, Leidenschaft, Visionen, Gemeinsinn und Sachverstand Grundlage der Hoffnung auf einen Wandel (hier: Stadtentwicklung) ist, 
über dessen Gelingen Romano Guardini sagt:
"Es wird eine Sammlung der Kräfte 
und eine Einheit der Leistung bedürfen" 

Städte bilden ihr Profil 
Wo steht Bielefeld drei Jahre nach dem Faradies - Aufruf
´Bielefeld - eine Stadt zum Gehen und Radfahren´?
Bielefeld - eine Stadt zum Gehen und Radfahren
(Foto: NW)
Angekündigte  Fahrverbote prallen auf das Mantra:
"das haben wir hier immer schon so gemacht" 

und die EU-Komission kassiert das Mantra:

"da kann ja jeder kommen"

Sie wird kommen - mit Vertragsverletzungsverfahren
und fügt damit dem innerstädtischen Dauerstress 
einen weiteren Veränderungsstress hinzu
(Martin Enderle mit Referenten im großen Saal der Kunsthalle: Städte im Stress) 
Fahrverbote würden uns treffen: 
hautnah - zeitnah - ortsnah

Eine Erkenntnis rückt näher
dass es irgendwie
                                - so nicht weitergehen 
wird und die Folgen
                -  uns unmittelbar betreffen werden 
und daraus ein 
                          - Handlungszwang resultiert 
und
              - keine einfachen Lösungen 
auf der Hand liegen

1. Frage: Wie könnten wir handeln?

Prof. Dr. Dirk Messner forscht nach, wo in ähnlich komplexen Ausgangslagen die Probleme vor Ort erfolgreich gemanagt 
und gegen alle Erwartung gelöst wurden 
DRadio-Wissen/Klimawandel-Vergessene-Städte
In der Stadtentwicklung zeigt Kopenhagen diesen Weg seit Jahrzehnten auf - ausgestattet mit einem wirksamen kommunalen Budget und unbelastet von einer wirkmächtigen Autolobby: Selbstgesetzte Ziele erreichen - kraftsparend und effektiv

Zitat während eines Studienaufenthaltes: 
"Dänen lassen sich 
durch gute Argumente gern überzeugen.
Kontroverse Themen werden nach 
intensiver offener Diskussion 
oft 90:10 abgestimmt 
und dann von allen mitgetragen"

Wie kann Teilhabe Gesellschaft befrieden und bewegen?
Gelingende Kooperationsmilieus brauchen eine horizontale, wertschätzende, besonnene und reflektierte Kommunikation 
mit einer geeignete Persönlichkeitsstruktur der Akteure, Resonanz, Transparenz, Benchmarking und funktionierendem Sanktionswesen

Konfrontative Milieus funktionieren anders:
2. Eine Beobachtung von ganz entscheidender Bedeutung:
Wo Konfliktparteien Inhalte bewegen müssen, um zu gemeinsamen Entscheidungen zu gelangen und es ihnen nicht zuverlässig gelingt, klare Botschaften miteinander auszutauschen, bilden die Akteure immerzu untereinander ein ´Täter-Opfer-Retter-Karussel´ 
und alle jagen in starren Rollen wie Marionetten miteinander im
Dramadreieck
Die sozialen Folgekosten dieser Konfliktgestaltung liegen hoch:
Paul Watzlawick / Friedemann Schulz von Thun
Täter-Opfer-Retter-Kommunikation ist 
kurzzeitig unterhaltsam, aber wenig wertschätzend, 
dann auch nicht mehr sachbezogen, 
führt zu Problemtrance,
verliert Lösungen aus dem Blick
und stößt lösungsorientierte Mitstreiter ab

Am Ende reicht es für einige Presseartikel und zurück bleiben Ermüdung, Katerstimmung, einige Verwüstung und Schweigen


Kernfrage: Verfügt Bielefeld über Personal, Strategien und Motivation für einen 
kooperativen Kulturwandel in der Stadtentwicklung?


3. Was ist künftig zu erwarten?

Dort, wo es nicht gelingt, Stadtentwicklung evolutionär zu gestalten, also direkte Lösungen für die Probleme im kooperativen Stil zu finden, bildet sich wie beim Trauermodell nach Elisabeth Kübler-Ross zwangsläufig ein Fächer von bis zu acht Reaktionsmustern aus: 
Ein langer Weg durch die Instanzen
Wie ein Inventar spiegelt das Modell alle
Konfliktmuster in unsrer Stadt wider!

Trauer als lang andauernder phasenhafter Bewältigungsprozess für ein bedeutendes Problem (Luftreinhaltung, Klimaziele, Stadtentwicklung, bewegte Nahmobilität, Schulweg-Sicherheit), geht mit
Verlusten 
einher, löst einen
- schmerzhaften Veränderungsprozess 
aus und überfordert unsere allgemeine
Veränderungsbereitschaft
Ein dynamisches hin und her zwischen Trauerphasen.
Alle Phasen - auch die hässlichen mit Ärger, Wut & Klage 
bauen aufeinander: Miteinander sind sie unverzichtbar für den Bewältigungsprozess



Beispiele?

Für die erste Phase (Ungewissheit oder 
´Phase des nicht wahrhaben wollens´) -
Mögliche Ursachen: 
Ein Problem findet wenig Aufmerksamkeit (mangelnde Resonanzoder trifft sogar auf 
schweigende Abwehr und schädlichen Lobbyismus:

Ein stadtweites konkretes Beispiel für schädlichen Lobbyismus:
Die allpräsente Tabakwerbung an Schulbushaltestellen

a. Wir nehmen gelassen hin, wie Kinder und Jugendliche seit Jahren an allen Schulbushaltestellen gegen geltendes EU-Recht einer extrem professionellen Choreographie der Verführung zum Rauchen ausgesetzt werden in der risikobereitesten Phase ihrer Persönlichkeitsentwicklung


b. Abschalt-Automatik gegen Abgasreinigung und Feinstaub schädigen seit vielen Jahren Kinder und Jugendliche 

c. Wir setzen sie auf Rückbänke unserer Autos
(Quelle: NW)
Lobbyismus und Gleichgültigkeit

2. Phase der Gewissheit:
(Quelle: NW)
Wenn die unterfinanzierte Kommune das Problem nicht lösen kann, Klimaziele nicht erreicht werden, Zulassungszahlen für PKW in Bielefeld weiter steigen, über 17000 Wohnungen fehlen und die Campus-Erweiterung in der Diskussion steht, dann suche ich mir stellvertretend ein anderes Problem und versuche das zu lösen: 

 ... aber der Handel muss in die Stadt ...
... Deutschland braucht den Diesel! 
... grüne Welle schalten ...
(Quelle: NW)
(´Reframing´, Daniel Kahnemann)

3. Phase der Agression:

Wut und Ärger wachsen, wo die Kriterien nach Antonowski 
für Teilhabe und solidarisches Handeln nicht respektiert wurden:
(s. Abb. nach Gerald Hüter)

(Club of Rome Kopräsident Ernst Ulrich von Weizsäcker verweist auf Papst Franziskus 
im Ratsaal der Stadt: Aufklärung 2.0: Industriestaaten sind Entwicklungsländer!)