Montag, 30. Mai 2016

Rolandstraße - die Fahrradstraße braucht Pömpel

Zeichen 244 StVO

Der Feuerwehr sollten sie Platz machen, die vielen Auto-Parker an der Rolandstraße. Das ist passiert, die Rolandstraße wurde halbseitig mit einem Halteverbot belegt und von den Fahrzeugen der Anwohner und ihren Gästen befreit, was für sich betrachtet nicht für gute Laune gesorgt hat, die Presse hat darüber mehrfach berichtet. Zusätzlich bestand die Hoffnung, dass sich die Situation auch für die Hauptverkehrsgruppe der Rolandstraße nicht verschlechtern würde: die Radfahrer.

Denn die Rolandstraße ist eine Fahrradstraße. Kraftfahrzeuge sind „nur zu Gast“. Und weil das a) kaum bemerkt wird, trotz Beschilderung und b) weil es selbst dann nur von wenigen Verkehrsteilnehmern richtig verstanden wird, hier eine kurze Erläuterung:
In Deutschland sind Fahrradstraßen dem Fahrradverkehr vorbehalten. Mit anderen Fahrzeugen dürfen sie nur dort benutzt werden, wo dies durch Zusatzzeichen angezeigt ist. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle Fahrzeuge 30 km/h. Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist erlaubt. Kraftfahrer müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden. (aus Wikipedia)
Die „alte“ Rolandstraße war überwiegend einspurig. Ausreichend für Radverkehr. Zu eng für die Feuerwehr. - Kartenmaterial: Google Inc.
Durch die Beschränkung des Parkraums auf einseitiges Parken wurde jetzt eine deutliche Verbreiterung geschaffen, mehr Platz für Feuerwehr und Notdienste und…zum Überholen für Autos.

Das war nicht so gemeint, wird aber so praktiziert. Radfahrer mit aktuellen Ortskenntnissen kennen das: Man fährt auf der Seite der parkenden Fahrzeuge und wird von hinten überholt oder entgegenkommend passiert von Autos, die mehr oder weniger großzügig Abstand halten und dafür über den abgesenkten Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Seite fahren. Die ausgegrauten, aber nach wie vor gut sichtbaren früheren Parkbegrenzungen lassen den Bürgersteig fast als eine Fahrbahnerweiterung erscheinen (für die, die das so sehen wollen).

Eine Fahrbahnverbreiterung?
Soweit so schlecht, doch andersherum ist es nicht besser, eher schlechter, und das ist mir jetzt passiert: Ich fahre rechts entlang der nicht beparkten Seite in Richtung Alm/Schüco-Arena, ein Ford Transit aus Lippe biegt aus dem Kreisel der Melanchthonstraße in die Rolandstraße und fährt mir zügig entgegen. Die Fahrerin verlangsamt kaum, obwohl es für uns eng werden wird. Sie hat die parkenden Fahrzeuge auf ihrer Seite und müsste schon deswegen zurückhaltend fahren. Und zusätzlich befinden wir uns in einer Fahrradstraße und das bedeutet nochmal: „Kraftfahrer müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden.“ 

Doch die breitere Rolandstraße wirkt offensichtlich konterkarierend für die Sicherheit des Radverkehrs: die Fahrerin im Ford-Transit ist anscheinend der Überzeugung, ein Auto und ein Fahrrad, das geht, das muss! Ich würde jetzt gern auf den Bürgersteig ausweichen, aber während ich noch meine Kapitulation vor der strunzen Macht des Stärkeren erwäge, macht es plötzlich „klack“: Der Ford hat den Spiegel eines VW-Bulli mitgenommen, der ist ab. Die Fahrerin stoppt und steigt pflichtbewusst aus, um den Fahrzeughalter im nächsten Haus zu suchen.

Mit mir möchte sie nicht sprechen. Schließlich ist sie meinetwegen viel zu nah an die parkenden Autos gefahren. Sie ist sauer, weil ich nicht auf den Bürgersteig ausgewichen bin.

Mein Fazit: Eine Fahrradstraße bringt keine Verbesserung für Radfahrer, wenn sie so breit ist, dass Autofahrer annehmen, sie könnten wie üblich überholen.

Ich will die alte Rolandstraße nicht zurück, aber so geht es nicht weiter! Eine Bekannte hatte eine gute Idee - und typisch für Bielefeld: Pömpel in regelmäßigen Abständen auf der freien Fahrbahnseite könnten eine Verbesserung bewirken: sie würden das Überholen über den Bürgersteig verhindern und dabei die reale Straßenbreite markieren. Und die Feuerwehr könnte die Pömpel bei Bedarf entfernen. Zu teuer? Was ist eine gute Fahrradstraße in Bielefeld wert?

1 Kommentar:

  1. Die Pömpel sollten nicht auf den Gehweg (da nehmen sie ja den Fussgängern den Platz weg), sondern auf die Fahrbahn, und zwar so, dass die Autos nur noch je von einer Querstraße bis zur nächsten fahren können, so dass der Autodurchgangsverkehr ausgeschlossen ist.

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Danke für deinen Beitrag und allzeit gute Fahrt im "Faradies".