Sonntag, 22. November 2015

Millionen für den Bielefelder Radverkehr

Wie gibt man 1.780.000 Euro für den Radverkehr aus? So dass sie dem Radverkehr in der Stadt einen Schub geben?
Die Frage wird konkret: Bielefeld bekommt knapp 30 Mio€ aus dem "Kommunalinvestitionsförderungsgesetz". Es hilft den Städten bei ihren Investitions- und Sanierungsstau. Als Förderbereiche sind u.a. vorgegeben die Luftreinhaltung und die Lärmbekämpfung an Straßen.
Der Rat hat beschlossen (Vorlage), rund 1,8 Mio€ davon für den "Radwegebau" auszugeben. Das macht Sinn, denn der Radverkehr ist in Bielefeld über lange Jahre unterfinanziert und hat Nachholbedarf. Und als sauberes, leises Verkehrsmittel ist das Rad für Luftreinhaltung und Lärmschutz prädestiniert.
"Radwegebau" ist freilich eine Verengung der Radverkehrsförderung  - was ist mit Fahrradstraßen, Abstellanlagen, Wegweisung, Marketing?
Und so sieht der erste Vorschlag aus dem Amt für Verkehr aus:

Verwaltungsvorschlag : 5 Radwege anlegen
Es sind 5 Radwege, 3 davon in Stadtrandlage. In der Innenstadt ist es ein 300m-Teilstück der Sudbrackstraße, wo die Fahrbahn für die Anlage von Schutzstreifen umgebaut werden soll. Und die Herforder Straße, ein Abschnitt von ca.  400m, wo ein Geh- und Radweg gebaut und ein Fahrradstreifen markiert werden soll.
Gut, das ist ein erster Vorschlag. Sind das tatsächlich Strecken, die für den Radverkehr viel bewirken? 

Vielleicht denkt man etwas weiter. Die bestehenden Radwege haben ja leider etliche Mängel aufzuweisen - vom schadhaften Pflaster über fehlende Sicherheitsstreifen bis zu unsicheren Kreuzungen. Nach dem Grundsatz "Erhalt vor Neubau"könnte man hier anstzen.
Das hat auch den Charme, dass man mit den 1,8 Mio€ sehr viel mehr bewirkt
Es gibt eine gründliche Untersuchung des Bielefelder Radverkehrsnetzes aus dem Jahr 2012 .  Sie hat zahlreiche Maßnahmeempfehlungen gegeben. Im Bericht (S. 54) sind das in der
Priorität 1
Sicherheitsrelevante Maßnahmen baulicher Art:
(z.B. die Anlage von Querungshilfen oder die Verbreiterung von Radverkehrsanlagen)
1,742 Mio€ für bauliche Maßnahmen,
0,529 Mio€ für Markierungs- und Beschilderungsmaßnahmen
Priorität 2
kleinere Sofortmaßnahmen
(Erneuerungen von Furten, Ausbesserungen am Belag)
0,227Mio €
Daneben gibt es noch
Priorität 3
Schließung von Netzlücken, 0,889 Mio€
Priorität 4
Komfortmaßnahmen,  0,026 Mio€
ferner Prüfaufträge, nicht beziffert.

Beispiel aus der Mängeluntersuchung:
an der Herforder Straße:
Mast auf dem Radweg muss vesetzt werden; die Radwegfurt zur Fahrbahn hin verlegt werden
Nach vielen Jahren des Mini- Etats für den Radverkehr (aktuell  sind es 100.000€) traut man sich ja kaum, etwas größer zu denken. Doch man kann ja mal anfangen - 
Wie gibt man 1.780.000 Euro für den Radverkehr aus? So dass sie dem Radverkehr in der Stadt einen Schub geben?

Kommentare:

  1. Ist die Wittebreite nicht so ein hübscher schmaler Weg, wo man auch ohne Radweg wunderbar radfahren kann? Muss man da wirklich einen Radweg anlegen? Aber am Grünen Band müsste aus Verkehrssicherheitsgründen und um eine sinnvolle Nutzung zu gewährleisten, dringend eine Querungshilfe an der Heeper Str. und ein Zebrastreifen mit Absenkung an der Bleichstraße nachgerüstet werden! (Kommentar von Bärbel)

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  2. Hmm, nach der ersten Freude über die höhere Summe wird klar:

    Das ist relativ viel Geld & wenig zugleich.

    Erst mal: Nachdenken. Diskutieren. Priorisieren?

    Das aktuelle Bypad Audit bietet ja dafür eine gute fachliche &
    inhaltliche Grundlage.

    Wenn in Bielefeld als KÖNIGSDISZIPLIN gelten könnte, das
    INNERSTÄDTISCHE Radeln, Gehen und ÖPNV-Nutzen zu fördern,
    dann scheinen mir die Randprojekte jetzt kein gutes Signal.

    In alltagsnahen Aktivitäten wie dem Radeln liegt ja ein erheblicher Mehrwert, auch gesundheitlich.

    Unter der Zielsetzung, Kindern einen aktiven und ausreichend sicheren Schulweg zu ermöglichen, könnte man auch diskutieren, die Summe in eine Verbesserung der aktiven Schulwege zu investieren.

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  3. Wittebreite und Beckendorfstr. (Jöllenbeck) halte ich für überflüssig, letztere, weil es eine gute Parallelstrecke gibt (Am Pfarrholz, Tiesloh), die mit geringem Aufwand fahrradtauglich gemacht werden kann. Die anderen Radwege allerdings habe ich tatsächlich alle schon vermisst, auch den an der Oerlinghauser Straße. Dringend in der Tat: Herforder zwischen Nahariya und August-Bebel. Bärbels Vorschlag zum Grünen Band teile ich. Gut wäre auch eine Lösung für die Bahnunterführung des Lutterradwegs (zw. Stauteich I und Otto-Brenner-Str.). Und noch ein exotischer Vorschlag: Eine Verbindung zwischen Köckerhof und Gärtnerweg, über den Johannisbach, sowie eine Querungshilfe Ecke Untere Wende/ Jöllenbecker. Dann hätten wir eine landschaftlich attraktive Parallelstrecke zur Westerfeld- und Babenhauser Straße. Und eine eindeutige Radverbindung zwischen Schildesche und Uni jenseits der Voltmanstraße.

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  4. Mit dem letzten Satz meinte ich eine andere Strecke, etwa durch den Grünzug Gellershagener Bach, Lakemannstr., [Lücke] Altenbrede, Dürerstr.

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  5. Sind die Vorschläge der Verwaltung jeweils beidseitig der genannten Straßen?

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  6. Es ist schön, dass es ein Investitionsprogramm gibt. Aber Vorsicht: Wer diese Mittel für Mängel- oder Schadensbeseitigung ausgeben will, muss bedenken, dass wir so die Politik aus der Verantwortung entlassen, aus dem ganz normalen jährlichen Haushalt genügend Mittel aus dem Verkehrsetat für diese Dinge zur Verfügung zu stellen.

    Zur Erinnerung: Der Verkehrsetat in Bielefeld beträgt jährlich gut 30 Mio. EUR, für den Radverkehr fallen dabei Brosamen in Höhe von - je nach Einbeziehung begleitender Maßnahmen oder nicht - ca. 150.000 EUR ab.

    Die in der Mängelliste genannten Maßnahmen sollten daher aus dem laufenden Haushalt beglichen werden. Reparaturen sind keine Investitionen, sondern für die Stadt verpflichtend. Es ist geradezu absurd, hierfür Mittel aus einem Investitionsprogramm verwenden zu wollen.

    Die Millionen des *Investitions*programmes sollten für mutige, zukunftsweisende Projekte ausgegeben werden - Anbindung an den Radschnellweg Minden-Herford wäre so ein Beispiel.

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  7. Anstatt das Geld für die Finanzierung einzelner unkoordinierter Maßnahmen zu verwenden, wären vielleicht folgende Vorschläge interessant:
    Pädagogisches Konzept:
    Die von den Schulen im Rahmen von STARS erarbeiteten Vorschläge zur Verbesserung der Schulwege werden umgesetzt.

    Problemorientiertes Konzept:
    Problemstellen wie Detmolder Str., Jahnplatz, Landgericht, Artur-Ladebeck-Str. werden angegangen

    Innovatives Konzept:
    Radschnellweg Minden - Bielefeld (-Gütersloh)
    Radschnellweg Hbf - Uni Bielefeld

    Integriertes Konzept:
    z.B. Projekt "Parkplatznot am Klinikum":
    Magistrale "Stieghorst" (Rohrteichstr. - Stieghorst) und Magistrale "Linie 5" (Ravensbergerstr. - Stauteiche - Heepen) optimieren
    + Parkraumbewirtschaftung im Osten + Car Sharing
    + Mobilitätsanalyse unmd -management am Klinikum
    + Parkraumbewirtschaftung am Klinikum z.B. nach Muster Franziskus-Hospital
    + "Job-Rad" am Klinikum
    + Gesundheitsaktion "Fit zur Arbeit" am Klinikum, Stadtradeln
    + Angebot von mobiel: Jobticket, Fahrplan an Bedürfnisse des Klinikum anpassen, ?
    + Verkleinerung und Kosteneinsarung bei geplantem neuem Parkhaus

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  8. Nach meinem Empfinden sind das sehr wertvolle Vorschläge. Existiert denn ein Diskussionsforum in Reichweite der Entscheidungsträger, die letztlich über die Vergabe der Mittel befinden?

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  9. @ADFC: So weit ich sehe, sind die Vorschläge der Verwaltung keine Reparaturen, sondern durchaus echte Investitionen in neue Radwege. Das gilt auch für die Herforder Str. hinter der Post, denn da ist zurzeit praktisch kein Radweg.

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    1. @ Jens Jürgen Korff: Ich glaube, die ADFC-Antwort nimmt Bezug auf den Eingangsbeitrag (Zitat: "... Die bestehenden Radwege haben ja leider etliche Mängel aufzuweisen - vom schadhaften Pflaster über fehlende Sicherheitsstreifen bis zu unsicheren Kreuzungen. Nach dem Grundsatz "Erhalt vor Neubau"könnte man hier ansetzen.").

      Die Wittebreite ist tatsächlich eine beliebte Radverbindung, allerdings ist ihre Oberfläche inzwischen ziemlich im Eimer. Sie zu reparieren, wäre zwar nötig, allerdings eine Erhaltungsmaßnahme, und keine Investition im eigentlichen Sinn.

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  10. Ich wollte nur nochmal darauf hinweisen, dass nicht nur das "Wo" wichtig ist, sondern auch das "Wie". Ich kann z. B. bis heute nicht nachvollziehen, warum Rad- und Fußweg an jeder Grundstückseinfahrt und Seitenstraße abgesenkt werden müssen (obwohl Rad- und Fußweg vorfahrtsberechtigt sind) - und so Radfahrern und Fußgängern eine ständige Berg- und Tallandschaft aufzwingen.

    Ich verstehe auch nicht, warum dort die flachen Bordsteine verwendet werden müssen, die Autofahrer zu zu schnellem Einbiegen verleiten. Es gibt Bordsteine, die viel steiler sind, und so Autofahrer zu langsamem Abbiegen anhalten.

    Sowas habe ich bisher nur in Herford in der Nähe der Kreuzung Wittekindstraße/Bielefelder Straße gesehen.

    Wo ist denn festgelegt, wo z. B. welche Art von Bordsteinen verwendet wird?

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Danke für deinen Beitrag und allzeit gute Fahrt im "Faradies".