Sonntag, 4. Oktober 2015

Der „Ich-geh-fremd“ Bericht oder anders „Das Erwachen der Macht“ in der Quelle allen Übels.

Bullitt vs. Scorpion fs 26


Ein Machtkampf der Superlative. Ok, genug dick aufgetragen…



Als Freund von normalen als auch besonderen Rädern, insbesondere dem Liegerad und dem wiedergeborenen Lastenrad, wie es sie schon im 19. Jahrhundert gab, habe ich mir ein Bullitt von Velotop ausgeliehen. Schnell, leicht, sexy, so die Worte vom Hersteller Larry vs. Harry aus Kopenhagen/Dänemark.
Eine Woche lang heißt es nun seine Grenzen ausloten. Was und wie viel kann mit diesem Rad als Anfänger der veränderten Fahrweise transportiert werden. Das Vorderrad ist nun mal sehr weit vorne. Anders als beim normalen „UP“.



Ich bin schon gepaddelt, habe vergebens ein Boot gelenkt und das Tetraeder in Bottrop bestiegen. Die Evolution war nicht aufzuhalten. Irgendwann war das normale Aufrecht-Fahren über ganze Jahrzehnte zu langweilig geworden.
Das Liegerad wurde für sich entdeckt. Erst mit Drei-Rädern und später auch der Einspurer. Nur im Laufe der Zeit und den Beobachtungen der Umwelt, wurde mit Entsetzen festgestellt, dass die Menschen weiterhin faul und bequem sind. Alles im drohenden Angesicht der Zeichen, die uns Mutter Natur „schenkt“.
Warum braucht der Mensch im innerstädtischen Bereich ein SUV? Warum muss der Mensch zwei oder mehr Autos besitzen? Nicht jeden betrifft dieser Vorwurf aber die breite Masse setzt den Maßstab. Wie viel % der Transporte im Stadtbereich waren es, die von einem Rad erledigt werden können, 80% oder doch noch mehr?
In der Familie wurde ebenfalls beobachtet, dass für kleine Besorgungen das Auto genommen wurde, obwohl die Entfernung zur Einkaufslandschaft nur einen Kilometer beträgt. Angst vorm Radfahren oder Unsicherheit? Räder haben wir genug.
Also kommt der Aufschwung des Lastenrades, insbesondere das des Bullitt genau recht um seine Zukunftspläne zu überdenken. Das zu erläutern führt jetzt allerdings etwas zu weit aber für diesen Plan braucht es eine Testphase. Ein Anschnuppern. Genau dafür dient diese Woche. Dass in dieser Woche zufällig ein Umzug ansteht, kommt genau recht.




Der indirekte Vergleich dieser beiden Räder ist allerdings etwas unfair. Das Liegedreirad ist ein Tourenrad und kein Packesel. Dennoch muss meine liebste Pica eine Woche voller Argwohn mit dem Bullitt auskommen.

Tag Eins:

Morgens in der Apfelstr. 85, in den heiligen Hallen von Velotop
Das Leih-Bullitt wird noch von Andreas präpariert.
Nach der nötigen Besprechung und hilfreichen Tipps geht es los.
„Nicht auf das Vorderrad schauen“ hallt durch meinen Kopf, der voller Anstrengung und Aufregung auf Hochtouren läuft. Die erste Kurve, der erste Weg mit wassergebundener Decke, die ersten Bodenunebenheiten. 
Warum hat das Rad keine Federung?
Das Bullitt treibt mich voran, wir gleiten förmlich dahin. Unglaublich wie schnell es trotz des Gewichtes und der praktischen 8-Gang Nabenschaltung werden kann. Ich weiß nicht wo wir sind. Irgendwo in Bielefeld. Verschollen? Plötzlich bin ich am Obersee. Eine Ehrenrunde im strahlenden Sonnenschein. Die Menschen schauen schon etwas merkwürdig. Aber das kenne ich schon vom Liegeradfahren.
Nach den entspannten Fahren durch Parklandschaften, wird die Teilnahme am Straßenverkehr unausweichlich um zur Quelle allen Übels zurückzukehren. Handzeichen im Kreisel wird zur Mutprobe. Es wackelt doch etwas. Der Lenker zieht in eine andere Richtung. Auf dem Heimweg liegen… zu viele Kreisel. Mit Herzklopfen kommen wir heile zu Hause an. Nach der Stärkung probieren wir den ersten leichten Transport.
Einziges Manko bis jetzt: der harte Sattel bereitet meinem Po doch deutliche Schmerzen.

Stunden später.
Jeweils zwei volle Wasserkisten einzeln transportiert, dazu etwas Kleinkram. Mit Gewicht fährt es sich noch ruhiger und stabiler in den Kurven. Aber Po und Schultern sind die ungewohnte Haltung soweit nach vorne gebückt nicht gewohnt und schmerzen fröhlich vor sich hin.


Tag Zwei:

Wir starten am Morgen mit leeren Umzugskartons Richtung Uni. Die Sonne vor uns. Jetzt wird es knifflig, die platten sperrigen Pappen fest zu zurren. Aber mit einem 5m Spanngurt ist das kein Problem ;)
Der erste gefüllte Karton wird gleich zurückgefahren.
Nach einer ungeplanten Verzögerung wird Nachschub benötigt und der nächste volle Karton wartet. Es sollen nicht die letzten sein, die befördert werden. Die Ladefläche vom Bullitt hat genau die richtigen Abmessungen, um einen Umzugskarton zu platzieren.


Tag Drei:

Heute dauert alles etwas länger, verständlich auf einem Sonntag.
Der Plan ist eher kleine Dinge wie ein Kuchen zu fahren und erst am vierten Tag mit den Kisten weiterzumachen. Daher wird heute nur zum Angeben und Werbung machen das Bullitt benutzt. 


Tag Vier:

Das neue Fahrverhalten geht langsam in Fleisch und Blut über. Kisten wandern quer durch Bielefeld. Kleine Aufträge aus der Familie werden erledigt.
Weitere Ziele tauchen auf der Karten auf. Mit dem Bullitt erscheint plötzlich alles so einfach. Einfach alles kann damit befördert werden.
Alter Krempel aus Opas Garage schreit danach auf dem Wertstoffhof zu verschwinden.
Die Speiswanne auf dem Bullitt fasst allen möglichen Schrott. Nur hat die Garage mehr als eine Fuhre an Schrott zu bieten.
Am Abend noch zu IEKA um am Ende mit 6 Teilen beladen die Rückreise anzutreten.
Für den Kleinkram, wie z. B. Wasser, Essen, Geld, Schlüssel usw. ist ein klassischer  Rucksack von Vorteil damit dieser nicht auf der Ladefläche oder in der Wanne lose herumrutscht. In manchen Bullitt-Besitzer Kreisen gilt ein Gepäckträger als Unding aber der ist genau das Richtige für den benötigten Kleinkram um dort eine Tasche anzubringen. Der Rücken soll ja frei bleiben. 


Alle folgende Tage:

Wasser. Über Nacht von oben.
Ein kleiner Vergleich aus meiner Sicht. 
Beim normalen Zweirad wird viel Spritzwasser von unten an den Fuß gespritzt. Das Wasser vom Vorderrad schleudert es gegen den Rahmen, von wo es überall hinfliegt. Vorzugsweise an den Fuß, ans Bein.
Beim Liegedreirad sammelt sich Wasser auf dem Bauch und bei tiefen Pfützen spritzt Wasser von den beiden Vorderrädern ans Handgelenk, was sich sehr komisch anfühlt, besonders im Winter.
Beim Bullitt aber kommt wegen dem weit entfernten Vorderrad nichts ans Bein. Der Vorderbau schützt sogar etwas die Fuß/Bein-Region.


Je höher die Zuladung, egal wie schwer es wird, desto unruhiger wird das Fahren. Der Schwerpunkt wandert nach oben. Kurven werden vorsichtiger genommen. Schnelles Fahren fällt sowieso weg. Aber dennoch kommen wir gut voran. :)



Immer wenn du denkst, es geht nichts mehr aufs Bullitt, wirst du eines Besseren belehrt.


Abschluss

Morgens bei Velotop, erneut, Tage später. Schweren Herzens wird das Bullitt zurückgegeben. Es waren aufregende Tage in denen viel erlebt und erreicht wurde. Meine Denkweise hat sich bestätigt, dass das Auto in der Innenstadt weitestgehend überflüssig ist. Nur für die wirklich großen Teile beim Umzug war ein Auto mit Anhänger von Vorteil.
Also mehr Bullitts für alle ;)

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Danke für deinen Beitrag und allzeit gute Fahrt im "Faradies".