Donnerstag, 7. Mai 2015

Wir sind irritiert.

Irritiert, weil es in Bielefeld offenbar nicht nur uns gibt, die sich ein anderes Verkehrskonzept vorstellen können und das auch sehr anschaulich zum Besten geben. Denn seit gestern gibt es: www.bicycle-bielefeld.de


Das könnte eine Irritation sein, lat. Aufregung, syn. „aus dem Konzept bringen“. Aber doch eine sehr schöne oder zumindest etwas, worüber man reden sollte.

Die Webseite enthält - wie bei Utopien durchaus üblich - wenig Argumente und leider auch wenig Möglichkeiten, in einen Diskurs einzusteigen. Wir wünschen jedenfalls viele gute Diskussionen über die Vision einer Fahrradcity in Bielefeld! Und nochmal: das ist leider nicht von uns.


Irritiert sind so einige…

hat die NW herausgefunden, nämlich der Mobilitätsbeauftragte der Stadt Oliver Spree, VCD und ADFC sind auch irritert und Herr Brehm (?). Nachdem 24 Stunden nach Auftauchen eines Flugblatts (Anm. des Verf.: Und uns hat keines erreicht, also sowas!!!) lediglich Frau Müller als registrierte Halterin der Domain, nicht aber der Urheber herausgefunden werden konnte, wird zumindest von amtlicher Seite festgestellt: 
"Rätselhaftes Flugblatt irritiert Radfahrer ...
"Bielefeld sattelt um" verkündet ein Flugblatt im Name von "bicycle", das jetzt zahlreiche Radfahrer in der City an ihren Fahrrädern oder im Briefkasten fanden. Demnach werden Altstadt und Neustadt ab 1. Juli autofrei. Das aber ist definitiv falsch." (http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/mitte/20452013_Raetselhaftes-Flugblatt-irritiert-Radfahrer.html)

Moment! Das finden wir aber nun „irritierend“.

Wieso denn Radfahrer?

  • …etwa weil eine Stadt wie Bielefeld niemals nicht aus heiterem Himmel so ein „Geschenk“ an den Radverkehr machen würde? - Na, man sollte nie zu wenig von seiner Stadt erwarten!!
    .
  • … oder die Autofahrer, die häufig auch Radfahrer sind, vielleicht kein Problem mit dem Umstieg hätten, vorausgesetzt es gäbe genügend Umsteigemöglichkeiten?
    .
  • Oder die Fußgänger, die sich dann mit Radfahrern viel einfacher den Straßenraum teilen könnten und viel öfter aufs Rad steigen würden?
    .
  • … schließlich noch alle Arbeitnehmer, Selbständige, Kaufleute und alle, die in der Innenstadt auf Laufkundschaft setzen. Davon könnte es sehr bald sehr viel mehr geben.

Also wirklich irritierend ist das Ganze auf den zweiten Blick eigentlich gar nicht. Ist es nicht so?

Diskussionen fangen an, gleich hier unter dem Beitrag...

Kommentare:

  1. Naja,dass der ADFC irritiert war, glaube ich nicht. Schon gar nicht über den Inhalt, höchstens darüber, dass er kein Faltblatt und gar nix bekommen hat.

    Als ich heute den NW-Beitrag las, rätselte ich auch gleich darüber, weshalb wohl „Radfahrer irritiert“ sein sollten. Freude wäre doch etwas anderes als Irritation!

    Irritiert wären doch vielleicht (Nur-)Autofahrer, weil sie um ihren Besitzstand bei der Flächenverteilung in der Stadt fürchten müssten.

    Der NW-Redakteur schließt mit den Worten:
    „Die Angaben auf dem Flugblatt sind frei erfunden. Und auch den Informationen auf der Internetseite ist nicht zu trauen, zumindest stammen sie von Ortsunkundigen. Da werden zum Beispiel Ausweichparkplätze für Autofahrer angegeben, die es nicht gibt.“
    Da musste ich doch herzhaft schmunzeln: Dass Ausweichparkplätze angegeben werden, die es nicht gibt, könnte doch gerade ein Indiz für Ortskenntnis sein! Nebenbei: In Bielefeld wird ja von verschiedenen Seiten auch immer wieder mal erzählt, dass was für den Radverkehr getan werde - da könnte man auch erwidern, dass jene wohl ortsunkundig seien ...

    Auch wenn die Fahradstraße um die Altstadt zum 1. Juli 2015 nicht kommen sollte, so ist doch die Aktion kein Unsinn, sondern präsentiert eine Idee davon, wie unsere Stadt künftig aussehen könnte. Und dass das alles kein Hexenwerk ist, sondern mit heutigen Mitteln bewältigt werden kann. Den politisch Verantwortlichen in dieser Stadt fehlt weithin der Mut, darüber nachzudenken, wie wir hier künftig leben möchten. Sie verwalten nur den status quo und scheuen Entscheidungen, die einen Wandel in Gang setzen oder unterstützen können. Der Umgang mit Stadtbahnausbau/Linie 5 zeigt es ebenso lehrbuchmäßig wie die Weigerung, den Radverkehr wirklich zu fördern. Damit nicht nur die mutigen und routinierten Radfahrer/innen eine wirkliche Wahlfreiheit bei den Verkehrsmitteln haben.

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  2. Dass Herr Spree irritiert ist, kann ich schon nachvollziehen. Der lässt sich ja in der NW zum Thema Windelsbleicher Strasse mit den Worten: "Radwege sind eine Infrastruktur für diejenigen, die sich nicht trauen, auf der Straße zu fahren." zitieren.

    Klar muss den ein Konzept irritieren, in dem quasi jeweils eine Hälfte von Oberntorwall, Kreuzstrasse und Niederwall zum Fahrradweg umfunktioniert würden.

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    1. Hallo Unbekannter, danke für Ihre Meinung, hier sind Sie genau richtig.
      Es klingt als wären Sie selber irritiert über den Mobilitätsbeauftragten der Stadt Bielefeld, kann das sein? So wie Sie Herrn Spree zitieren (vielleicht geben Sie noch die Quelle an), hat der Mann absolut Recht. Die generelle Pflicht zur Radwegbenutzung hat das Bundesverwaltungsgericht bereits Ende 2010 aufgehoben. Seitdem dürfen Kommunen Radwege innerorts nur noch bei besonderen Gefahrenlagen mit dem blauen Radwegekennzeichen ausweisen, bzw. müssen die vorhandenen Schilder abnehmen. Im Ergebnis heißt es genau das: die Radwege sind für die unsicheren Radfahrer, während die anderen Radfahrer kein Problem haben werden, sich verkehrssicher auf der Fahrbahn zusammen mit den weiteren Verkehrsteilnehmern, also überwiegend Kfz, zu bewegen.
      Also: Wahlfreiheit und ein Gebot der Rücksichtnahme auf einen erhöhten Anteil Radfahrer auf der Fahrbahn.
      Was die anonyme Aktion „bicylce-Bielefeld“ angeht, sehe ich nicht den 1. Juli 2015, sondern vielleicht ein oder zwei Jahre später eine Chance für eine Veränderung und auch nicht als lupenreine Radweglösung, sondern als Ringverkehr, wie mein Kollege Bernd im folgenden Kommentar hier ausführt. Ein Ringverkehr mit ÖPNV (Bus) und zum Beispiel einer sog. Fahrradstraße (googeln Sie mal), auf der Kfz nur als Anliegerverkehr zugelassen sein sollten.
      Es ist imho völlig klar, dass so ein Prozess im Konsens mit den betroffenen Bewohnern, Gewerbetreibenden und allen anderen im Hufeisen beheimateten Einrichtungen und Personen von statten gehen kann. Es darf allerdings auch mal laut geträumt oder provoziert werden, damit sich was bewegt.
      Wenn Sie mit mir drüber reden wollen, treffen Sie mich am Wochenende bei La Strada, der Mobilitätsschau für Motorfans, in der Bielefelder City, am besten vorher anrufen, Nummer steht im Impressum.

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    2. Quelle: http://goo.gl/OCw4NZ
      Die Benutzungspflichtdiskussion führt am Thema vorbei (und ist m. E. reine Zeitverschwendung). Auch heute hält Sie niemand davon ab, auf der Straße zu fahren (genausowenig, wie "über rot" an einer Ampel).
      Und - wie man im NW-Artikel schön sieht - schnell sind die Politiker dabei und sehen den Radweg als überflüssig ("fährt ja keiner mehr drauf") und fahren die Mittel zur Erhaltung zurück.

      Die Diskussion bringt uns einer ordentlichen Infrastruktur nach holländischem Vorbild keinen Millimeter näher (eigentlich eher das Gegenteil). Eine Erhöhung des Anteils der Radfahrer im Verkehr ist davon auch nicht zu erwarten.

      Zum Thema "Fahrradstraße" brauche ich nicht zu googeln - es reicht mir völlig, wenn ich mir die "Fahrradstraßen" in Bielefeld ansehe, auf denen man als Fahrradfahrer ständig von Autofahrern (ob das Anlieger sind, bezweifle ich mal).genötigt wird. Fahrradstraßen, die als Alibistraßen für noch schlechtere Fahrradinfrastruktur an anderer Stelle eingerichtet wurden.

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    3. Hallo nochmal, ich gebe Ihnen Recht, dass die Benutzungspflicht nicht allein das Thema ist. Das Fehlverhalten einiger Verkehrsteilnehmer macht aber meines Erachtens nicht das ganze bestehende System sinnlos. Zu einer vollwertigen baulich getrennten Infrastruktur für Radfahrer werden wir nicht kurzfristig kommen und im Innenstadtbereich, wo wenig Platz ist, geht es auch in Zukunft nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme auf einer Fahrbahn. Lassen Sie uns zuerst dafür Lösungen suchen. Vom Radweg auf der grünen Wiese zu träumen bringt nix, meine ich. Ich fänds interessant, wenn Sie konkret im Hufeisen eine Problemstelle mit einer alternativen Lösung beschreiben würden.

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    4. Wir werden nie zu einer vollwertigen baulich getrennten Infrastruktur für Fahrradfahrer kommen, wenn wir sie nicht fordern. An der Windelsbleicher Straße wäre es gar nicht so schwer das umzusetzen.

      "Gegenseitige Rücksichtnahme" steht schon in der StVo - interessiert aber keinen. Ich kenne in Bielefeld z. B. keine Tempo30-Zone, in der diese Geschwindigkeitsbegrenzung auch durchgesetzt würde. Wie wir ja von Herrn Moss lernen konnten, wird in Bielefeld z. B. auf Schwellen verzichtet, weil es im Rettungswagen sonst so ruckelt.

      Im Hufeisen würde ich als erstes die Hagenbruchstraße zwischen Rentei- und Güsenstrasse zur echten Fahrradstrasse machen. Theoretisch leicht zu verbessern wäre auch die Situation Am Bach, wo es die vielen gefährlichen Parkhausein- und ausfahrten gibt. Die Straße könnte insgesamt etwas schmaler werden, dann werden dort auch nicht mehr so hohe Geschwindigkeiten gefahren. Schon hätte man etwas mehr Raum für Distanz zwischen Fahrradweg und Ein-/Ausfahrten.

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  3. In dem Konzept "Das Hufeisen den FußgängerInnen und RadfahrerInnen" steckt inhaltlich ja Einiges drin, was erfrischend neu ist:
    - die Idee der Bicycle points. MoBiel hatte übrigens vor, groß in ein Fahrradverleihsystem einzusteigen
    - das Hufeisen im Einbahnsystem umfahren: So haben sie das im belgischen Hasselt gemacht, als sie den kostenlosen Busverkehr eingeführt haben. (Das Bielefelder Hufeisen ist übrigens gut vergleichbar mit der City von Hasselt). Das bietet eine 1a- Bus- und zu Fußerschließung, parallel zum Rad
    - eine kleine Perspektivenverschiebung der Einzelhändler, die bei autofrei natürlich erstmal "Huch?" denken
    - eine Alternative zu den städtichen Jahnplatz- Verkehrsberuhigungsplänen, die ohne Linie 5 wohl kaum voran kommen. Die Einbahnstraßenregelung hält den Durchgangsverkehr ruckzuck aus dem Gebiet heraus (z.B. Kfz-Fahrende, die über von der Herforder Straße bräsig über den Jahnplatz in die A.Ladebeck-Straße fahren. Das geht dann nur auf der Heimfahrt in Gegenrichtung. Da wählt man doch besser den Ossi.

    Neues Denken - deswegen gleich den Staatsschutz zu bemühen, ist ein bisschen Bielefeld-Comedy!

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Danke für deinen Beitrag und allzeit gute Fahrt im "Faradies".