Sonntag, 2. November 2014

Radfahrerin beim Rechtsabbiegen "übersehen" und am Hinterrad touchiert (Ein Leserbrief von Ludger)

Gerade eben habe ich der Neuen Westfälischen einen Leserbrief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren, in Ihrer letzten Ausgabe 1./2. November 2014 berichten Sie von einem Radunfall, bei dem eine 29-jährige Radfahrerin von einem Rechtsabbieger angefahren worden ist. Sie verwenden dabei die Formulierung:
"Der 35-jährige AUDI-Fahrer aus Löhne hatte die Radfahrerin beim Rechtsabbiegen "übersehen" und am Hinterrad touchiert."
Der Begriff "übersehen" ist bei solchen Unfallverläufen mit Beteiligung von Radfahrern tatsächlich überaus gebräuchlich; er ist verharmlosend und falsch:
Radfahrer kann man nicht "übersehen". Radfahrer sind (alle!) sichtbar, und sie sind "da", meist sogar schon länger als der Rechtsabbieger: der hat sie doch gerade erst überholt!
"Übersehen" heißt also richtigerweise gepennt! - Ergebnis: Gesichtsverletzungen und eine Gehirnerschütterung...

Mein Fahrlehrer hat mich schon vor über 40 Jahren gebremst, wenn ich hinter einem Radfahrer ungeduldig wurde: "Was meinen Sie, wie viel Zeit Sie haben, wenn der erst einmal da liegt..." 

Tatsächlich hatte man den Bericht der Polizeipressestelle auszugsweise abgepinnt; dort war sogar die Rede davon, dass sich die Radfahrerin verletzt hat... (sich selbst!). Als ob wir einen Hang zur Selbstverstümmelung hätten.

Ludger

Kommentare:

  1. Die meisten Radfahrer fahren auch Auto und viele Autofahrer fahren Rad, sehr viele Verkehrsteilnehmer müssten also Bescheid wissen, aber das genügt nicht. Wenn wir im Auto sitzen, verwandeln wir uns, verlieren den unmittelbaren Kontakt zur Straße und den Menschen, die nicht im Blechgewand sitzen. Zudem kritisiert der Beitrag vor allem die Presse, die Sprachprofis, die sich eine sehr unsensible Sprache für alles, was nicht Auto ist, angewöhnt haben. Ein blog widmet sich speziell dieser sprachlichen Seite des Problems: http://presserad.wordpress.com - Einfach mal ein paar Tage lang lesen und man bekommt ein ausgewogeneres Gefühl für Unfallberichte.

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  2. Den Spruch soltet ihr groß raushängen: "Liebe Abdränger, Zudichtvorbeifahrer und Wegabschneider. Ihr habts eilig. Aber was meint Ihr, wie viel Zeit Ihr habt, wenn der Radfahrer erst einmal da liegt!"

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  3. Mir hilft immer der Satz " Zuerst waren die Radfahrer auf der Straße, viel später erst kamen die Autos dazu". Ich habe immer noch die gelbe Fahne von der Critical Mass Aktion hinten am Gepäckträger und habe das Gefühl, dass die hilft beim Gesehenwerden. Ansonsten habe ich mich damit abgefunden, dass ich als Radlerin lieber mehr gucke und bloß nicht auf mein Vorfahrtrecht poche, denn ich ziehe garantiert den Kürzeren.

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  4. Wer keine Knautschzone hat, muss der Klügere sein und nachgeben.

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Danke für deinen Beitrag und allzeit gute Fahrt im "Faradies".