Donnerstag, 21. August 2014

Was soll das?

Die Critical Mass ist zu Gast in Bielefeld - immer am letzten Freitag um 19 Uhr ab Kesselbrink.

Wir haben sie nicht gerufen, nicht initiiert, geplant, dazu aufgerufen oder sonstwie organisiert. Sie ist gekommen, wie zu vielen Städten in den letzten Jahrzehnten, seit das Phänomen erstmals auf diesem Globus gesichtet wurde, und soll bleiben.

Wir wollen sie hegen und pflegen, sie ist eine Chance für die Verkehrsentwicklung unserer Stadt. - Ja? Wieso denn das?

Weil es um eine ausgewogene nachhaltige Verkehrsentwicklung in Bielefeld geht, deren Entstehung unmittelbar bevorsteht wie in anderen urbanen Lebensräumen unserer globalisierten Welt zu sehen ist, auch in anderen Städten Deutschlands.
Zu den größten Aktionen gehörten hierzulande bislang der autofreie Tag zwischen Bielefeld und Herford auf der B61 und der Run-and-Roll-Day. Doch es handelt sich nur um das zeitweise Außerkraftsetzen der normalen Verkehrsregeln, danach ist alles wieder wie vorher.
Nachhaltiger wirken das Stadtradeln und eben die Critical Mass, denn sie finden über einen längeren Zeitraum (beim Stadtradeln immerhin schonmal 3 Wochen im Sommer) statt und zwar im normalen Verkehrsbetrieb, das ist entscheidend!
Während die Beteiligung beim Stadtradeln sich organisch in das normale Verkehrsaufkommen einfügt und zu großen Teilen mit diesem deckungsgleich ist, stellt sich bei der Critical Mass die ungewohnt große Anzahl von Radfahrern, die alle zur selben Zeit in eine Richtung fahren, wie eine unübersehbare Demonstration" dar, die vor allem die Ordnungskräfte in ihr sehen (müssen?).

Doch sie ist keine Demonstration im engeren, rechtlichen Sinne, sondern der Normalfall.

So wie es ihn längst in den bekannten Fahrradstädten wie Münster, Groningen in den Niederlanden und Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen gibt und wie es das erklärte Ziel vieler bedeutender Metropolen, z. B. Londons ist.

Warum also nicht auch in Bielefeld jetzt schon für ein paar Stunden an einem Freitagabend?

Die Critical Mass ist Gegenstand der Besorgnis der Ordnungskräfte, die sie reflexhaft als außerordentliches genehmigungspflichtiges Verkehrsereignis oder anmeldepflichtige Demonstration einstufen. Noch begleiten sie sie freundlich und nachsichtig. Doch das erklärte Ziel ist die Durchsetzung der nach ihrer Ansicht unumgänglichen Genehmigungs- oder Anmeldepflicht.
Damit würde die CM aber wieder ein aus der Normalität des Verkehrsalltags herausgehobenes Ereignis in den Augen der Öffentlichkeit. Sie müsste sich Vorwürfe von anderen Verkehrsteilnehmern gefallen lassen und damit rechnen, abgesagt zu werden, wenn Bedenkenträger dies für notwendig halten.

Hat eigentlich schon mal jemand versucht, den täglichen Berufsverkehr zu untersagen?

Der Gedanke allein ist absurd und würde die Bürger in ihrem Alltag empfindlich stören. Ebenso kontraproduktiv ist er für die Critical Mass. Und genau das hat in einer sehr freundlich gehaltenen Bitte die Polizei bei der CM im Januar 2015 versucht: Es hatte am Freitag, den 30. Januar die größte Menge Neuschnee des Jahres gegeben und die Polizei bat bekannte Teilnehmer der CM, sie sollten die „Veranstaltung“ wegen des Wetters und der Straßenverhältnisse bitte absagen. Dem konnten die angesprochenen Personen nicht nachkommen, denn sie sind nicht die Veranstalter. Es gibt keine Veranstalter außer den Teilnehmern, die sich zum bekannten Termin treffen und die Critical Mass bilden.
Die Masse besteht aus denkenden Bürger/inne/n, die jede/r für sich verantwortungsvoll entscheiden, ob sie sich zu den gegebenen Bedingungen auf eine Radtour begeben wollen. Und auch wenn es immer noch Erstaunen auslöst, ja man kann im Winter mit dem Fahrrad fahren, warum denn nicht?  Wer würde denn als Autofahrer, ÖPNV-Nutzer oder Fußgänger zu Hause bleiben es, wenn es Schnee gegeben hat?!

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