Montag, 15. Dezember 2014

Frölenbergschule in Brakwede startet durch - Profis helfen Kindern aufs Rad





Bielefeld ist eine von neun europaweiten Modellregionen, die am EU - geförderten Projekt ´STARS´ teilnehmen.

Die Frölenbergschule in Brakwede hat vorgelegt und konnte schon einen Preis einheimsen:
http://froelenbergschule.de

EU - Ziel: ´Es sollen mehr Schülerinnen und Schüler mit dem Fahrrad zur Schule fahren und sich nicht mehr mit dem Auto zur Schule bringen lassen.´




Die Frölenberg - Schüler profitieren mehrfach:

- Sie entwickeln jetzt Kompetenz und entdecken ihre Umwelt in einer wichtigen Phase ihrer persönlichen Entwicklung

- Sie gewinnen an Sicherheit
(Stellungnahme der Unfallkasse NRW, bei der Kinder auf ihrem Schulweg versichert sind: ´Kinder im Auto sind keinesfalls sicher. Im Gegenteil: Im Auto sind sie sogar häufiger in Unfälle verwickelt´)

- Sie sind Teil eines großen Teams, gemeinsam mit ihren Eltern, den Lehrern und vielen anderen Aktiven, das sich eine neue starke Wir - Identität, ein starkes Gemeinschaftsgefühl schafft

- Damit gewinnen sie einen Teil der Wahlfreiheit, um später selbst entscheiden zu können, ob sie aktiv bleiben und damit eine bessere Aussicht auf ein langes selbstbestimmtes Leben haben werden


Denn: Mit ´STARS´ (´Sustainable Travel Accreditation and Recognition for Schools´)
setzt die EU eine Forderung der Weltgesundheitsorganisation um:


http://64.26.159.200/icpaph/en/documents/GAPA_PAInvestmentsWork_FINAL.pdf


Bis März 2016 können 20 Grundschulen und acht weiterführende Schulen teilnehmen.

Weitere Links:

WDR5-Wissenschaftsmagazins Leonardo (Ausschnitt aus der Hörsendung vom 03.12.2014: ´Elterntaxi & Co - Der Schulweg gehört den Kindern´)
Link

- Verkehrszähmer-Programm


Kinder & Jugendliche wollen ihre Zukunft gestalten: Rückblick auf den NRW Tag 2014 -
Schüler der Gesamtschule Rosenhöhe im Interview mit Ministern der Landesregierung


. . . Bewegte Nahmobilität als ein Hauptthema

Mittwoch, 3. Dezember 2014

CM im November: Ride daily - celebrate monthly

Letzen Freitagabend dürften wir so viele gewesen sein, wie in der ersten Zeit der Bewegung 1992 in San Franzisko: Rund fünfzig Teilnehmer, bei frostiger Kälte und Dunkelheit!

Für mich war es die CM - Taufe, meine Erstteilnahme.
Insofern fehlen mir Vergleiche zu früheren Ausfahrten.


Ich habe mich gleich sehr wohl gefühlt. Klasse fand ich die Vielfalt der Teilnehmer.
Während wir andernorts eher geneigt sind, Leute, die von der ´Mitte´ abweichen,
zu ´includieren´, wurde hier gleich spürbar, dass ´diversity´ ein großes Geschenk ist

Kurz: CM ist definitiv nicht langweilig

Die Polizeipräsenz fand ich nicht aufdringlich, fühlte mich nicht wie im Zoo
und es entwickelten sich nette Gespräche vor der Abfahrt. Hat sich da was geändert?


Zwischenfälle gab´s auch: Zweimal sprang mir die Kette ab :-). 
Ansonsten verhielten sich alle aufmerksam, die Radler und auch der übrige Verkehr.
Celebrate monthly - das Gefühl stellt sich beim Fahren in dieser Gruppe ein

Am Jahnplatz wurde dann noch ein Gruselradweg ausgezeichnet . . .


. . .mit dem Hinweis auf die Onlinepetition zur Abschaffung der Benutzungspflicht:





Zack Furness aus Chicago liefert in dem Buch ´Philosophie des Radfahrens´
(Mairisch Verlag) einen schönen Beitrag über die CM Bewegung


Er zitiert Martin Wachs, Prof. für Bauingenieurwesen an der Universität von Berkeley, weshalb Critical Mass und andere Fahrradaktivisten in den späten 90ern eine wesentlicher Rolle bei der erfolgreichen Planung des 147 Mio $ teuren Radwegs über die bay bridge spielten: ´Er wurde mit aufgenommen, weile eine hartnäckige, wohlorganisierte und regelrecht unausstehliche Gruppe von Aktivisten sich nicht hat von dem Thema abbringen lassen.´

Ich hätte da auch eine Vision: Eine flotte Radtrasse zwischen dem Bielefelder Westen & Osten!

Seien wir unausstehlich . . .




Freitag, 28. November 2014

Bielfelder Bikesitting?! - Nein danke, liebe Polizei!

Critical Mass kann auf sich selbst aufpassen - oder?


Wer die Critical Mass in Bielefeld seit Sommer diesen Jahres (2014) erlebt hat, wird sich über das Verhalten der Polizei gewundert haben.

Während beim "Corso" des VCD im Juni die Polizeibeamten die Teilnehmer/innen auf Augenhöhe mit Fahrrädern begleitet und mit Ihnen geredet haben, sind bei der Critical Mass seit Juli stets Motorräder und Einsatzwagen mit Blaulicht präsent gewesen: anonym, distanziert, hoheitlich.

Die Polizei, dein Freund und "Bikesitter"


Die Teilnehmer der Critical Mass in Bielefeld werden den Eindruck nicht los, dass sie von der Polizei von vorne bis hinten in Watte gepackt und "gepampert" werden. Was harmlos und nett klingt, bedeutet auch Nachteile, von denen gleich ein paar aufgezählt werden. Man muss sich auch fragen, ob das so beabsichtigt ist und wenn ja warum.

Beobachtungen


Hier zunächst ein paar - nicht ganz ironiefreie - Beobachtungen aus vier Critical Mass-Terminen in diesem Jahr in Bielefeld:

  • Niemand hat sie darum gebeten, aber es sind fast immer Polizeifahrzeuge die das "Korken", d.h. das Absperren von Seitenstraßen vornehmen, an denen der geschlossene Verband der Radfahrer vorbeifährt. Es ist fast, als käme der Martinszug mit Kindern und Laternen daher.
  • Kopfschütteln immer wieder auch, wenn die Beamten mit ihren "schlanken" Mopeds auf einmal Stoff geben und mit Karacho am Pulk der Radfahrer vorbeischießen, als gäbe es einen Mord zu verhindern. Dabei werden Fahrverbote auf Bürgersteigen ebenso missachtet wie Tempolimits in 30er Zonen. - Aber es ist die Polizei, die dürfen das.
  • Auf den mehrspurigen Straßen um das Bielefelder Hufeisen hindern die Blauen zeitweise den nachfolgenden Pkw-Verkehr am Überholen und halten die linke Spur frei. Jemand fragt nach und erhält als Erklärung: 
"Ja, sonst wären die Kfz doch mit 60 km/h an den Radfahrern vorbeigeprescht!" 
Danke, liebe Polizei, aber das ist für Radfahrer der ganz normale Alltag. Oder kommt die Polizeieskorte jetzt auf Bestellung?
  • Nicht alle Teilnehmer der Critical Mass legen höchsten Wert auf Verkehrsvorschriften: Unbeleuchtete Räder, Dirt-Bikes ohne Vorderradbremse und Telefonieren während der Fahrt sieht man da und dort. Doch die Polizisten schauen weg oder erteilen "rechtsfolgenfreie Tipps". - Ich will mich wirklich nicht beschweren, aber woher diese "Großzügigkeit"?

Das fällt auf, und man muss sich fragen

  1. was für ein Verständnis des Radverkehrs in dieser Stadt steht hinter dieser Strategie?
  2. Und was für eine Wirkung geht davon aus?


Was steckt hinter der auffälligen Sorge?


Warum wird auf die Teilnehmer des Critical Mass mit Argusaugen gewacht? Wer soll da eigentlich vor wem geschützt werden? Ein paar plausible Vermutungen:

  • Nimmt die Polizei an, die CM wäre wesentlich eine Provokation und toleriert darum Verkehrsverstöße, um die "kritische Masse" nicht unnötig zu provozieren? - Woher nimmt sie das? Dagegen spricht eigentlich alles, z. B. dass auch Eltern mit Kindern anwesend sind und ebenso viele ältere Radfahrer. Der Ablauf aller CM bislang hat keine Konflikte gezeigt.
  • Oder nimmt die Polizei an, sie müsste die Radfahrer gegen aufgebrachte Verkehrsteilnehmer schützen? Die Kette von Radfahrern, die als Verband bei Rot über alle Kreuzungen fahren (dürfen!) beschert manchem Autofahrer oder Fußgänger Wartezeiten und gelegentlich auch eine Extra-Rotphase. - Die Reaktionen sind 50:50 - die einen haben Verständnis, lachen oder klatschen, die anderen schimpfen empört. - In anderen Städten soll es bei Critical Mass auch schon handgreifliche Übergriffe gegeben haben, die von Radfahrern nicht kampflos hingenommen wurden. Aber das sind Extreme, die in Bielefeld nicht im Entferntesten vorgekommen sind. Also kein Bedarf für Blaulicht und "Hundertschaften"! Zwei Beamte mit dem Fahrrad sind genug!
  • Oder nimmt die Bielefelder Polizei an, dass das Fahren von mehr als 16 Radfahrern im geschlossenen Verband in der Innenstadt per se gefährlich ist, weil zu erwarten ist, dass Radfahrer urplötzlich umfallen oder unberechenbare Ausflüge in den Gegenverkehr unternehmen? Oder weil es immer wieder vorkommt, dass beim Führen eines Kraftfahrzeugs Radfahrer übersiehen werden? - Dagegen spricht alles, was Bielefelder Radfahrer bislang erleben durften. Das Fahren in der CM macht glücklich, aber nicht übermütig. Alles andere - auch die Gefahr, übersehen zu werden ist Alltag. Und gerade das Fahren in der Masse, soll die Radfahrer unübersehbar machen. Daran soll und muss sich der Verkehr in dieser Stadt gewöhnen.

Mit Blaulicht ensteht aber ein ganz falscher Eindruck...


... nämlich:

  • "Radfahrer machen in Bielefeld monatlich eine bunte Demo im Berufsverkehr, um den regulären Verkehr zu provozieren." - Falsch. Es handelt sich vielmehr um eine normale Erscheinung im täglichen Straßenverkehr. Ein höherer Anteil von Fahrradfahrern als gewohnt ändert daran prinzipiell nichts. Niemand hat die Absicht, einen Stau zu bauen. Nur die Anwesenheit von Blaulicht lässt vermuten, dass es sich um eine Demo handelt.
  • "Radfahrer sollen wissen, dass die Polizei sie vor dem gefährlichen Autoverkehr auf angrenzenden Fahrspuren und einmündenden Straßen schützt." - Danke, nein danke! Radfahrer müssen sonst ja auch alleine klar kommen. Die Anwesenheit vieler Radfahrer macht das Fahren sogar sicherer, weil viele gleichzeitig fahrende Radfahrer nicht so schnell übersehen werden können und weil Radfahrer auf einander verstärkt achten und sich ggf. gegenseitig Hilfe leisten.
  • "Gemeinsam fahrende Radfahrer sind ein sicheres Anzeichen für eine geplante Demonstration. Bei der Begegnung ist deeskalierend zu handeln und über kleinere Rechtsverstöße hinwegzusehen." - In dieser Stadt mag es Verschwörungstheorien gegeben haben. Aber ist tatsächlich nicht zu erkennen, dass die Menschen zur CM kommen, weil sie darin die Gelegenheit haben, sicher und gleichberechtigt mit dem motorisierten Verkehr durch die Innenstadt und angrenzenden Ausfallstraßen zu fahren?! Und dass dadurch auch andere Verkehrsteilnehmer erfahren, wie sicher die Begegnung mit vielen Radfahrern im Bielefelder Straßenverkehr ablaufen kann?!

Doch noch herrscht Sprachlosigkeit


Da ist man vor allem erst einmal sprachlos, wenn man auf dem Kesselbrink die Ankündigung der Polizei per Lautsprecher anhört, dass sie die bevorstehende Fahrt im geschlossenen Verband als eine Demonstration ansieht: Eine nicht zulässige und nur geduldete Versammlung! - Schönen Dank auch!

Und dann verlangt der Polizeisprecher im Auto, den oder die Verantwortliche/n zu sprechen. Eine Einladung zum Gespräch sieht anders aus! Und so kommt es regelmäßig zu keinem Gespräch, weil von den anwesenden Radfahrer niemand die Fahrt zuvor geplant hat oder sich in anderer Weise dafür verantwortlich hält.

Dass es so ist, ist im Internet überall zu lesen, es ist das Prinzip der "kritischen Masse". Die Polizei will es aber nicht so sehen, sie ignoriert es bewusst. Anders ist sind die vorstehend geschilderten Ereignisse nicht zu verstehen - oder liebe Polizei?

Liebe Bielefelder Polizei, warum ignoriert ihr das offene Anliegen der CM?


Es könnte auch anders gehen. Denn viele, die zur Critical Mass kommen, würden sich gern mit der Polizei unterhalten. Darüber

  • wie es ist, wenn man mit 60 km/h in der Arndtstraße überholt wird,
  • was man sich fühlt, wenn man schon mehrfach am selben Tag von abbiegenden Kraftfahrzeugführern fast übersehen worden ist,
  • wie man fluchen lernt, wenn in der 30er-Zone hinter einem ständig gehupt wird,
  • wie man sich auffällig kleidet, aber doch noch sozial akzeptabel aussieht und
  • wie man bei allem auch noch rechtzeitig zur Schule, zum Termin etc kommt.


Alles interessante Inhalte, die der Polizei das wahre Un-Sicherheitspotential des Radfahrens in Bielefeld erschließen könnte und zu angemesseneren "Begleitmaßnahmen" bei der CM führen könnte und schließlich dazu führt, dass zahlreiches Radfahren in Bielefeld als Normalfall gesehen wird.

Im Juni hat es ja schon einmal geklappt.

Ein Vorschlag ... 


Lasst die Streifenwagen und Krads in der Garage und das Blaulicht aus und schickt ein paar Beamte mit dem blauen Mountainbike, um sich davon zu überzeugen, dass es nichts Außergewöhnliches ist, wenn viel Radverkehr durch Bielefeld fährt.

Denn es wird schon bald zur Normalität gehören,
  • weil es die vernünftigste Form zur Vermeidung von Feinstaub- und CO2-Ausstoß ist,
  • weil es wirksam ist gegen steigende Betriebskosten für das eigene Auto und auch Bahn und Bus werden nicht günstiger,
  • aber auch weil es hilft, Krankheiten aufgrund von Bewegungsarmut zu vermeiden oder zu heilen,
  • und nicht zuletzt, weil sich ein freundlicheres Verkehrsverhalten entwickelt, wenn man weiß, wie nett es ist, in Bielefeld von A nach B - mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Mobiel - zu kommen.
Aber es ist noch nicht so!

Darum Critical Mass!


Sonntag, 2. November 2014

Radfahrerin beim Rechtsabbiegen "übersehen" und am Hinterrad touchiert (Ein Leserbrief von Ludger)

Gerade eben habe ich der Neuen Westfälischen einen Leserbrief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren, in Ihrer letzten Ausgabe 1./2. November 2014 berichten Sie von einem Radunfall, bei dem eine 29-jährige Radfahrerin von einem Rechtsabbieger angefahren worden ist. Sie verwenden dabei die Formulierung:
"Der 35-jährige AUDI-Fahrer aus Löhne hatte die Radfahrerin beim Rechtsabbiegen "übersehen" und am Hinterrad touchiert."
Der Begriff "übersehen" ist bei solchen Unfallverläufen mit Beteiligung von Radfahrern tatsächlich überaus gebräuchlich; er ist verharmlosend und falsch:
Radfahrer kann man nicht "übersehen". Radfahrer sind (alle!) sichtbar, und sie sind "da", meist sogar schon länger als der Rechtsabbieger: der hat sie doch gerade erst überholt!
"Übersehen" heißt also richtigerweise gepennt! - Ergebnis: Gesichtsverletzungen und eine Gehirnerschütterung...

Mein Fahrlehrer hat mich schon vor über 40 Jahren gebremst, wenn ich hinter einem Radfahrer ungeduldig wurde: "Was meinen Sie, wie viel Zeit Sie haben, wenn der erst einmal da liegt..." 

Tatsächlich hatte man den Bericht der Polizeipressestelle auszugsweise abgepinnt; dort war sogar die Rede davon, dass sich die Radfahrerin verletzt hat... (sich selbst!). Als ob wir einen Hang zur Selbstverstümmelung hätten.

Ludger

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Mit der Helmkamera auf Bielefelds Radwegen unterwegs #Bieleradwegfilmer

Achtung: Ich starte eine neue Serie.

Mit der Helmkamera auf Bielefelds Radwegen unterwegs


Bei der Testfahrt auf der Morgenbreede-Definition-Konsequenz (!) hatte ich einen Beinahezusammenstoß mit einem anderen Radfahrer, der gerade sein Telefongespräch beendet hatte. Dazu war er schon weithin sichtbar immer auf der Stelle im Kreis gefahren mitten auf der Durchfahrt, die ich ansteuerte. Als ich ihn auf der linken Seite passieren wollte, passiert das...


video


Meine Vollbremsung ist nicht gut zu erkennen. Da der arme Kerl danach noch zur Wertherstraße hochstrampeln musste, war er schon genug "gestraft",  so dass ich auf öffentliche Verwünschungen verzichtet habe ;-)

#Bieleradwegfilmer

Dienstag, 28. Oktober 2014

Und ein Lob für die Entschärfung der Unfallkreuzung! (von ALI)

Riesig gefreut habe ich mich, als ich die neuen Markierungen an der Ecke der Heeper Strasse Hermann-Delius-Strasse wahrgenommen habe!!

Karte unter Verwendung von OpenStreetMap-Daten | Open Database License (ODbL)
Heute ist Sonntag. In den letzten Tagen war diese Straße nur eingeschränkt benutzbar, daher überrascht es mich auch nicht, dass es hier heute kaum Verkehr gibt.

Ich kenne die Strasse aber auch ganz anders: Wochentags in der Hauptverkehrszeit sind hier Beinahe-Unfälle sozusagen "üblich", leider auch zwei frische Unfälle (völlig kaputte Fahrräder lagen jeweils auf der Fahrbahn), wie ich hier selbst habe zur Kenntnis nehmen müssen!

Stadteinwärts fahrend erlebt man immer wieder, dass die rechtsabbiegenden Autos, deren Sicht von den auf der Heeperstraße sich annähernden Fahrradfahrern durch die wartenden Linksabbieger verhindert wird, den Radweg komplett ignorieren. Damit müsste jetzt Schluss sein!

Voller Begeisterung fahre ich nach Hause, schnappe mein Fotoapparat, fahre wieder hin und mach ein paar Aufnahmen, um diese schöne Endeckung mit anderen zu teilen und auch um mich auf diesem Wege bei allen Verantwortlichen für diese wichtige Maßnahme einen HERZLICHEN DANK auszusprechen!

Ich werde mich nun mit dem Fahrrad auf den Heimweg begeben und dazu gleich selber auf diesem neuen Streifen einen Probelauf absolvieren.

© Bild: ALI/faradies-bielefeld
© Bild: ALI/faradies-bielefeld
Den Fotoapparat habe ich gerade wieder weggepackt, da kommt es zu einer unerfreulichen Überraschung: Ein silber farbener PKW, dessen Fahrer eilig in die Tankstelleeinfahrt will, überholt mich. Rechts. Ja das geht hier: Wenn der PKW 10 Meter auf dem Kombi-Bürgersteig-Radweg fährt, muss dessen Fahrer nicht mal auf die auf der Heeperstraße fahrenden Autos warten!


© Bild: ALI/faradies-bielefeld
Es ist nichts Schlimmes passiert, weil dort gerade keiner unterwegs war. Aber angesichts dessen, dass selbst die allerbesten Vorkehrungen von einigen Verkehrsteilnehmern rigoros missachtet werden können, hat sich meine große Freude leider ganz schnell wieder relativiert...

(ALI)





Sonntag, 26. Oktober 2014

Was hat ein Straßenschild am Industriepark Marl mit Wahlfreiheit und unserem Workshop zu tun?


Dazu ein Blick in den Workshop vom letzten Mittwoch:


Der Ex-Bielefelder Philosoph Peter Bieri (´Nachtzug nach Lissabon´) lädt uns ein, mit Blick auf unser Leben bewusst zu fragen, welchem Weg wir lieber folgen.    (Ein Straßenschild, fotografiert in Marl) 


Wer ´Zur Freiheit´ tendiert, den lädt Bieri zum ´Selbstbestimmte Leben´ ein.
Im Kontrast dazu nennt er den ´Sockel des Unverfügbaren´
und damit auch das zähe Beharrungsvermögen in Alltagsgewohnheiten, 
das sich nach Konrad Lorenz zusammensetzt aus:


Hat dies irgendwas mit Verkehrswende zu tun?
Ein Blick in die autoverstopfte Stapenhorststraße vor der ADFC - Geschäftsstelle während 
des Stadtradelns an einem herrlichen Sommertag spricht dafür:


Ärzte wissen, dass sie die ersten beiden der folgenden drei Faktoren nicht beeinflussen können:


Lediglich über Lebensstil-Faktoren können wir Einfluss nehmen auf die Häufigkeit der ´Nichtübertragbarer Erkrankungen´ (siehe unten). 
(Anmerkung: Der Elektronikmarkt oben rechts fragte seine Kunden in einer Kampagne: ´Lieben Sie Ihre Kilos?´ Man wurde gewogen und bekam für jedes Kilo vom Kaufpreis des Fernsehgeräts einen Euro abgezogen).


Als Arzt & frischgebackener Diabetologe hatte ich mich 2001 vor die Frage
gestellt: Wozu bin ich da? Meine Antwort darauf lautete wie folgt . . .


 . . . oder knapper formuliert (nach Gunther Schmidt):


Das entspricht auch einem zentrales Anliegen der WHO: In der Toronto Charta hat sie die Ziele nicht nur für Arztpraxen mit begrenzter Reichweite formuliert, sondern für ganze Gesellschaften:


Vermutlich müssen sich die meisten Ärzte bei der Behandlung der ´Wohlstandskrankheiten´ eingestehen, dass ihnen das immer schlechter gelingt. 


Praxen & Kliniken sind bei kurzen Kontaktzeiten randvoll (1), die Ansprüche grenzenlos (2; Bsp. Aktuelle Diabetes Leitlinie Typ 2 ist 206 Seiten lang und von vier uneinigen Fachgesellschaften verfasst!) und teurer Lobbyismus hat leichtes Spiel (3; wir geben Unsummen für Medikamente aus. Beispiel eines Diabetesmedikaments, dessen Einnahme dazu führt, dass vermehrt Zucker über die Nieren ausgeschieden wurde. Im Mai 2014 hatte ich mal nachgerechnet: 1 Kg Zucker für 85 cent im Einkauf kostete - mit Tabletten über die Nieren ausgeschieden - rund 50 €).

Es geht doch: Als 51-köpfiges Stadtradelteam ´Mit Ärztlichem Rad´ konnten wir unsere Alltagsaktivität steigern, unsere Gewohnheiten vor die eigene Wahl stellen und mit vielen anderen Akteuren Kontakt aufnehmen. 


Wir fanden bemerkenswerte Überschneidungen in den gemeinsamen Anliegen vieler Akteure und damit eine hervorragende Basis für ein gutes Kooperationsmilieu, dem Kernthema von Prof. Dr. Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungsforschung (siehe MP3-Hörbeitrag vom WDR5)


Klimawandel, Verkehrswende, nachhaltiges Wirtschaften, sanfte Mobilität, Bewegungsförderung im Quartier, Teilhabe aller Milieus und ein langes selbstbestimmtes Leben . . . 


Diese Ziele sind von keinem Akteur allein nur annähernd zu erreichen oder auch nur 
aussichtsreich zu verfolgen. Unser Zutun braucht ein förderliches Milieu!

Messner forschte, unter welchen Bedingungen historisch betrachtet solche KULTUR-LEISTUNGEN gelangen. Im Hinwirken auf ein gemeinsames Ziel konnte er SIEBEN KOOPERATIONS-FAKTOREN herauskristallisieren, auf die sich erfolgreich handelnde Akteure verständigten:


Die gute Nachricht: Von diesen sieben Kooperationsfaktoren sind in Bielefeld schon viele präsent! Wer sie respektiert, kann schwere Paradigmenfehler vermeiden. 
Dazu im Einzelnen:

1. Punkt: Reziprozität 
Das meint Kommunikation in beide (!) Richtungen. Keine Einbahnstraße. Also hinhören 
und fragen, was die Akteure denken. Dazu ein Angebot mit Bezug auf diesen Workshop:


2. Punkt: Kommunikation
Jens Bucksch von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Roland Tillmann, Kinderarzt 
aus Heepen, referierten in der Kommunalen Gesundheitskonferenz, den Ratsfraktionen, . . .

. . . , wir diskutierten mit Krankenkassenvertretern, hier der Stadtradel-Beauftragte Fred Schelp:


Achtung: Kommunikation kann Kernauftrag von Faradies werden, wenn die Akteure hier 
ihre Fäden zusammenlaufen und die sieben Kriterien nach Messner wachsen lassen!

3. Punkt: Vertrauen
 Das wächst z. B. in diesem Workshop und bei anderen gemeinsamen Aktionen


4. Punkt: Reputation der Akteure
Ich frage mich, wie würde der Bielefelder Systemtheoretiker Niklas Luhmann die Komplexität der  Bewegungsförderung in Bielefeld deuten? Finden wir einen Soziologen, der uns Auskunft gibt?


Ein Akteur mit Reputation ist der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Dr. Jens Bucksch, WHO-Beauftrater & Herausgeber des ersten deutschsprachigen Buches eines international florierenden Forschungsgebiets: ´Walkability´, kommunalen Gesundheitsförderung durch aktive Nahmobilität.


5. Punkt: Fairness
Während des Stadtradelns hatte die weltweit agierende Transition Town Bewegung ihren Begründer Rob Hopkins ins Bielefelder Audimax eingeladen. Vorreiter von Fairness im Lokalen & Globalen.


6. Wir - Identität
Ein starkes Dokument entstand im März in intensiver Diskussion unter massgeblicher Arbeit von Roland Tillman (Kinderarzt), Bernd Küffner (VCD), Thorsten Böhm (ADFC), 
Alexander Kowalak (Faradies) und Jens Bucksch (Uni Bielefeld): 
Der Ziele- und Maßnahmenkatalog ´Bielefeld - eine Stadt zum Gehen und Radfahren´. 


 7. Sanktionen
Sie gelten denen, die nicht kooperieren. Dafür findet sich mit dem Peng - Kollektiv auf Youtube ein anschauliches Beispiel. Was als Kommunikationsguerilla in Erscheinung tritt, hat einen sehr ersten Hintergrund: Solche Aktionen diesen der Gewissensbildung & brechen schädlichen Lobbyismus auf.


Auch die Critical Mass und Fahrrad-Korsos haben einen dosierten Sanktionscharakter, denn der
vom Auto eroberte Verkehrsraum wird von den verdrängten Radlern temporär rückerobert.


Partizipation! Teilhabe! 
Diese beiden Begriffe tauchen immer wieder bei gelungenen Projekten auf, die anders verliefen als Stuttgart 21 (und die Linie -5- Diskussion?). Der bekannte Göttinger Neurowissenschaftler Prof. Gerald Hüther fasst dazu die Kriterien von Antonovski auf griffige drei Bedingungen zusammen:


Solch ein erfolgreiches Modell der Partizipation haben wir in Bielefeld: Das Stadtradeln!


Ein Modell der Förderung von Kommunalen Gesundheitsprozessen wurde von Dr. Jens Bucksch in Zusammenarbeit mit dem Landeszentrum für Gesundheitsförderung mit Sitz in Bielefeld erarbeitet.
Viele Bausteine sind in Bielefeld schon zu erkennen.


Patient Mobilitätswende: Mögliche Betätigungsfelder 2015 in Bielefeld:


Prof. Messner räumt ein, dass in der Hälfte der beobachteten Kommunikationsprozesse 
nicht dauerhaft gelingen. Dann ist es ermutigend, an den Ecken des Siebenecks nach den aussichtsreichsten Anknüpfungspunkten für Kooperation Ausschau zu halten.

Systemische Interventionen:
Als Arzt & Diabetologe, befasst mit der wertschätzenden Begleitung von Menschen mit Diabetes . . .



. . . liegen noch große Kraftquellen ungenutzt in den Schützengräben der Konfliktlagen: 

Systemische Perspektiven & präzise Interventionen eröffnen überraschende Blicke auf unsichtbare Lösungen. Reaktanz . . .


. . . herunterdosieren . . .


. . . und umdeuten  . . . 


Gesundheitsorientierte Gesprächsführung . . .


. . . richtet sich auf das das Beziehungsangebot und auf Ressourcen-
orientierung aus und führt aus der Problemtrance heraus . . .




Weiter helfen Gleichnisse, Wunder- und Skalenfragen . . .


. . .und die Betrachtung von Sucht als Einschränkung der Wahlfreiheit 
mit Formulierung, Postulierung und Angebot der Wahlfreiheit . . . 


Es ist durchaus unterhaltsam, aber auch bedauerlich und erschöpfend, 
wenn sich das Täter-Opfer-Retter-Dreieck zum Karussell beschleunigt. 


 Denn: Faradies will sich nicht darin erschöpfen. Faradies ist neugierig . . .


. . . und mit dem Vorderrad schon im Ziel . . .