Sonntag, 1. Oktober 2017

Stadtplanung - Klimaziele - Gesundheit 2017

Der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann konnte eines besonders schlecht:
Komplexe Zusammenhänge ignorieren oder populistisch verkürzen.

Er beschrieb, wie sich ´die moderne Gesellschaft als System 
in seiner Selbstreproduktion durch intern zirkuläre Strukturen 
gegen die Umwelt abschließt und nur ausnahmsweise, 
nur auf anderen Realitätsebenen, durch Faktoren  der Umwelt 
aufgeschaukelt, in Schwingungen, in Resonanz versetzt´ wird.
(Niklas Luhmann, Ökologische Kommunikation, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 5. Auflage 2008)

Eine Faradies-Frage nach der verstörenden Bundestagswahl 2017:
Gerät unser ´soziales System´ in Resonanz?

Ist die Critical Mass ein Resonanzerzeuger? 
(Critical Mass gestern mit 200 Kindern, Frauen, alten & jungen RadlerInnen)
oder ´ohne Auto mobil´ vom letzten Sonntag?
Oder bleibt das Ringen bei Sinn-Themen wie Stadtentwicklung,
bewegter Nahmobilität mit Rad, ÖPNV oder zu Fuß in der Stadt
kräftezehrenden Tauziehen und Sisyphos-Arbeit auf der Stelle?

Wahlfreiheit schließt immer auch ein die unbedingte Freiheit
zum trostlosen Scheitern bei Sinn-Themen wie Klimaschutz,
Stadtentwicklung & Gesundheit.
Es kann richtig schlecht kommen: Zukunftsvisionen bleiben
Tagträume für die Wochenendbeilage der Tageszeitung . . .
. . . und Kinder verschlafen ihre Mobilitäts-Entwicklung
weiterhin auf den Rückbänken des motorisierten Stadtverkehrs:
Oder: Unter welchen Bedingungen nehmen wir die Herausforderung an?
Unter welchen Voraussetzungen investieren wir in schnelle und
leistungsfähige Rad-Trassen statt ineffizienter konfliktreicher & riskanter
Mischnutzung von Auto, Rad und Füßen im gemeinsamen Verkehrsraum?
(Beispiel Kopenhagen)
Oder: Bleiben wir doch lieber bei Schnappatmung, Staus und Stillstand
bei den weiter steigenden KFZ-Zulassungszahlenin Bielefeld?
Wollen wir für unsere Kinder eine Ausweitung und
Sicherung des Schulisches Mobilitäts-Managements. . .
(´STARS´ Projekt der EU, nun ´Mehr Freiraum für Kinder´) 
. . . oder wollen wir das lieber doch nicht?
Der Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Dr. Dietrich Garlichs fand in der Uni Bielefeld sehr klare und harte
Worte gegen den gegenwärtigen  ungezügelten schädlichen Lobbyismus
zum Schaden von Kindern:
(Dr. Dietrich Garlichs im Forum offene Wissenschaft´)
Wollen wir als allerletztes EU-Land solchen schädlichen Lobbyismus wie
Tabakwerbung für Jugendliche an Bushaltestellen auch künftig hinnehmen?
. . . oder wollen wir Kinder schützen und in ihren Aktivitäten fördern und fordern?
Wollen wir Stadtentwicklung kooperativ im bürgerschaftlichen Dialog gestalten?
oder den schwarzen Peter in starren Kontroversen hin und her verteilen?
So lautet für Stadtentwicklung und Verkehrsplanung die Frage:
(NW Kommentar)
Hat jemand kreative und konkrete Ideen?
Hätten diese Ideen eine Chance?



Samstag, 22. Juli 2017

Stadtradeln Bielefeld 2017 - auswärtige Einblicke

Schnappschüsse und Eindrücke
während des Stadtradelns 2017 in Bielefeld


Unbedingt lesenswert:
Stadtradelstar 2017 Christian Janßen vom Team 150 Jahre Bethel:

https://www.stadtradeln.de/index.php?&id=2520&sr_city_id=4227

und Frau Prof. Dr. Kolip,  Prodekanin der Fakultät für Gesundheitswissenschaften
und Stadtradelstar 2016 im Stadtradelblog

https://www.stadtradeln.de/bielefeld2016/#blogs
(unter: ´STADTRADEL-STAR-Blog´ und ´alle Beiträge anzeigen´)



Auftakt an der Radrennbahn -
hier mit Virtual-Reality-Brille


Ganz analog: Unterwegs mit dem TSVE -
Pause mit Plausch beim Almabtrieb


Verpflegung für Radtouristiker zwischen Harsewinkel & Bielefeld


Abstecher auf die Autobahn


Weiter im Ausland:
Kilometer sammeln und staunen im Vercors


Weiter südlich Vertikalkilometer hinauf zum Mt. Ventoux


zurück durch die heiße Gorge de la Nesque


Nächste Etappe Straßburg / Kehl -
an der Fahrrad- und Fußgängerbrücke


Straßburg - das EU Parlament


Ach: Wie steht´s um Kinderrechte . . . in Bielefeld?


Kritisch!
Großartige Initiativen,  aber deren Fortbestand
hängen immerzu am seidenen Faden


Weil niemand genau hinschaut,
läuft ein Rasenmäher unmerklich über Aktionen hinweg


Faradies schweigt und hofft

Sonntag, 19. März 2017

Faradies Bielefeld – Stadt im Stress auf der Couch



Gewidmet den Personen, deren Energie, Mut, Leidenschaft, Visionen, Gemeinsinn und Sachverstand Grundlage der Hoffnung auf einen Wandel (hier: Stadtentwicklung) ist, 
über dessen Gelingen Romano Guardini sagt:
"Es wird eine Sammlung der Kräfte 
und eine Einheit der Leistung bedürfen" 

Städte bilden ihr Profil 
Wo steht Bielefeld drei Jahre nach dem Faradies - Aufruf
´Bielefeld - eine Stadt zum Gehen und Radfahren´?
Bielefeld - eine Stadt zum Gehen und Radfahren
(Foto: NW)
Angekündigte  Fahrverbote prallen auf das Mantra:
"das haben wir hier immer schon so gemacht" 

und die EU-Komission kassiert das Mantra:

"da kann ja jeder kommen"

Sie wird kommen - mit Vertragsverletzungsverfahren
und fügt damit dem innerstädtischen Dauerstress 
einen weiteren Veränderungsstress hinzu
(Martin Enderle mit Referenten im großen Saal der Kunsthalle: Städte im Stress) 
Fahrverbote würden uns treffen: 
hautnah - zeitnah - ortsnah

Eine Erkenntnis rückt näher
dass es irgendwie
                                - so nicht weitergehen 
wird und die Folgen
                -  uns unmittelbar betreffen werden 
und daraus ein 
                          - Handlungszwang resultiert 
und
              - keine einfachen Lösungen 
auf der Hand liegen

1. Frage: Wie könnten wir handeln?

Prof. Dr. Dirk Messner forscht nach, wo in ähnlich komplexen Ausgangslagen die Probleme vor Ort erfolgreich gemanagt 
und gegen alle Erwartung gelöst wurden 
DRadio-Wissen/Klimawandel-Vergessene-Städte
In der Stadtentwicklung zeigt Kopenhagen diesen Weg seit Jahrzehnten auf - ausgestattet mit einem wirksamen kommunalen Budget und unbelastet von einer wirkmächtigen Autolobby: Selbstgesetzte Ziele erreichen - kraftsparend und effektiv

Zitat während eines Studienaufenthaltes: 
"Dänen lassen sich 
durch gute Argumente gern überzeugen.
Kontroverse Themen werden nach 
intensiver offener Diskussion 
oft 90:10 abgestimmt 
und dann von allen mitgetragen"

Wie kann Teilhabe Gesellschaft befrieden und bewegen?
Gelingende Kooperationsmilieus brauchen eine horizontale, wertschätzende, besonnene und reflektierte Kommunikation 
mit einer geeignete Persönlichkeitsstruktur der Akteure, Resonanz, Transparenz, Benchmarking und funktionierendem Sanktionswesen

Konfrontative Milieus funktionieren anders:
2. Eine Beobachtung von ganz entscheidender Bedeutung:
Wo Konfliktparteien Inhalte bewegen müssen, um zu gemeinsamen Entscheidungen zu gelangen und es ihnen nicht zuverlässig gelingt, klare Botschaften miteinander auszutauschen, bilden die Akteure immerzu untereinander ein ´Täter-Opfer-Retter-Karussel´ 
und alle jagen in starren Rollen wie Marionetten miteinander im
Dramadreieck
Die sozialen Folgekosten dieser Konfliktgestaltung liegen hoch:
Paul Watzlawick / Friedemann Schulz von Thun
Täter-Opfer-Retter-Kommunikation ist 
kurzzeitig unterhaltsam, aber wenig wertschätzend, 
dann auch nicht mehr sachbezogen, 
führt zu Problemtrance,
verliert Lösungen aus dem Blick
und stößt lösungsorientierte Mitstreiter ab

Am Ende reicht es für einige Presseartikel und zurück bleiben Ermüdung, Katerstimmung, einige Verwüstung und Schweigen


Kernfrage: Verfügt Bielefeld über Personal, Strategien und Motivation für einen 
kooperativen Kulturwandel in der Stadtentwicklung?


3. Was ist künftig zu erwarten?

Dort, wo es nicht gelingt, Stadtentwicklung evolutionär zu gestalten, also direkte Lösungen für die Probleme im kooperativen Stil zu finden, bildet sich wie beim Trauermodell nach Elisabeth Kübler-Ross zwangsläufig ein Fächer von bis zu acht Reaktionsmustern aus: 
Ein langer Weg durch die Instanzen
Wie ein Inventar spiegelt das Modell alle
Konfliktmuster in unsrer Stadt wider!

Trauer als lang andauernder phasenhafter Bewältigungsprozess für ein bedeutendes Problem (Luftreinhaltung, Klimaziele, Stadtentwicklung, bewegte Nahmobilität, Schulweg-Sicherheit), geht mit
Verlusten 
einher, löst einen
- schmerzhaften Veränderungsprozess 
aus und überfordert unsere allgemeine
Veränderungsbereitschaft
Ein dynamisches hin und her zwischen Trauerphasen.
Alle Phasen - auch die hässlichen mit Ärger, Wut & Klage 
bauen aufeinander: Miteinander sind sie unverzichtbar für den Bewältigungsprozess



Beispiele?

Für die erste Phase (Ungewissheit oder 
´Phase des nicht wahrhaben wollens´) -
Mögliche Ursachen: 
Ein Problem findet wenig Aufmerksamkeit (mangelnde Resonanzoder trifft sogar auf 
schweigende Abwehr und schädlichen Lobbyismus:

Ein stadtweites konkretes Beispiel für schädlichen Lobbyismus:
Die allpräsente Tabakwerbung an Schulbushaltestellen

a. Wir nehmen gelassen hin, wie Kinder und Jugendliche seit Jahren an allen Schulbushaltestellen gegen geltendes EU-Recht einer extrem professionellen Choreographie der Verführung zum Rauchen ausgesetzt werden in der risikobereitesten Phase ihrer Persönlichkeitsentwicklung


b. Abschalt-Automatik gegen Abgasreinigung und Feinstaub schädigen seit vielen Jahren Kinder und Jugendliche 

c. Wir setzen sie auf Rückbänke unserer Autos
(Quelle: NW)
Lobbyismus und Gleichgültigkeit

2. Phase der Gewissheit:
(Quelle: NW)
Wenn die unterfinanzierte Kommune das Problem nicht lösen kann, Klimaziele nicht erreicht werden, Zulassungszahlen für PKW in Bielefeld weiter steigen, über 17000 Wohnungen fehlen und die Campus-Erweiterung in der Diskussion steht, dann suche ich mir stellvertretend ein anderes Problem und versuche das zu lösen: 

 ... aber der Handel muss in die Stadt ...
... Deutschland braucht den Diesel! 
... grüne Welle schalten ...
(Quelle: NW)
(´Reframing´, Daniel Kahnemann)

3. Phase der Agression:

Wut und Ärger wachsen, wo die Kriterien nach Antonowski 
für Teilhabe und solidarisches Handeln nicht respektiert wurden:
(s. Abb. nach Gerald Hüter)

(Club of Rome Kopräsident Ernst Ulrich von Weizsäcker verweist auf Papst Franziskus 
im Ratsaal der Stadt: Aufklärung 2.0: Industriestaaten sind Entwicklungsländer!)